Fünf Journalisten, die die Welt nicht braucht - eine Satire

In den Tiefen der Berliner Medienlandschaft, wo der Kaffee besonders stark sein muss, um den Absackerfusel des vorigen Abends aufzuwiegen, tummeln sich Gestalten, die man sonst getrost als „journalistische Randfiguren“ bezeichnen könnte. In der Hauptstadt, jedoch, sind sie die Helden des Contents, die Souffleure des SEO, für die keine bescheuerte Idee aus der morgendlichen Redaktionskonferenz zu lächerlich ist - wenn die Leser damit nur zur Weißglut gebracht werden können. 

Sophia, die Clickbait-Königin:

Frisch von der Journalistenschule, voller Idealismus und dem festen Glauben, die Welt verändern zu können, landete Sophia stattdessen in der Realität einer Online-Redaktion. Statt Pulitzer-verdächtige Recherchen schreibt sie nun billige Aufreger wie „Diese 5 Fahrrad-Typen machen uns das Leben in Berlin zur Hölle!“ oder „Vulkanausbruch in Deutschland: Es könnte innerhalb weniger Wochen passieren!“ Gut, dass ihre hippen Mitbewohnerinnen nicht wissen, was sie beruflich macht - Zeitungen liest ihre Generation sowieso nie.

Anna, die Klatsch-Expertin:

Seit 20 Jahren im Geschäft, kennt Anna die goldene Ära des Journalismus noch vom Hörensagen. Doch seit ein ehemaliger Stasi-Mitarbeiter das Blatt übernommen hat, hat sie jede Hoffnung aufgegeben, echten Investigativ-Journalismus zu machen. Stattdessen schreibt Anna über C-Promis und darüber, wie schlimm Touristen doch sind. Für das Schicksal der Menschen in dieser Stadt hat sie scheinbar nichts mehr übrig.

Marko, das Homeoffice-Phantom:

Als Ressortleiter hat Marko eigentlich alle Fäden in der Hand. Eigentlich. Denn seit er Berlin verlassen hat, hasst er die Hauptstadt und arbeitet vor allem vom Homeoffice in Brandenburg. Sein Name steht zwar über jedem zweiten Artikel, aber ob er wirklich dazu beigetragen hat ist angesichts der fehlenden journalistischen Standards darin fraglich.

Erno, der Listicle-Meister:

Erno wollte schon immer über Mode schreiben. Stattdessen ist er der Erfinder von Listicles wie „5 AirBnBs zu wucherpreisen in Berlin“ oder „Diese 5 Orte sollten Berlin Besucher meiden“. Während er sich beiläufig über den Tod anderer lustig macht, träumt er von Haute Couture.

Emmanuel, der Restaurant-Vereisser:

Emmanuel hatte auch mal Ambitionen, Model zu werden. Stattdessen sticht er jetzt vor allem mit Restaurantkritiken hervor, die eh keiner liest, weil alle bei Google sind. Sind seine Artikel ein stummer Schrei nach Liebe, die er selbst nie erfahren hat?

Diese fünf Journalisten sind wie Currywurst: Spicy ist anders und man fragt sich oft, warum sie eigentlich existieren. Aber so lange wie der gemeine Berliner seinen Selbsthass irgendwo wiederfinden muss, so lange wird es sie geben.